Psychische Störungen zählen laut Deutschem Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege bis 2030 zu den drei häufigsten Krankheitsbildern in Industrieländern – mit wachsenden Anforderungen an Betroffene, ihr Umfeld und das Gesundheitssystem. Erstmals öffneten die LPBZ jetzt eine ihrer Einrichtungen für eine wissenschaftliche Studie.
Die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) bildet den Rahmen für die Struktur einer Anschlussversorgung in gemeindenahen Versorgungsmodellen für Menschen mit psychischen Erkrankungen; also auch für Einrichtungen mit Anschlussversorgung, wie sie die LPBZ darstellen. Die Konvention spricht dabei vom Recht auf Selbstbestimmung und Inklusion – also gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, unabhängig von Behinderung, Herkunft, Geschlecht und Alter.
DGKPin Monika Lercher, BScN und Priv.-Doz.in Mag.a Dr.in Anna Maria Dieplinger untersuchten das Erleben und die soziale Inklusion von BewohnerInnen in einer LPBZ-Einrichtung. Die Datenerhebung erfolgte 2025 über sechs Monate mittels teilnehmender Beobachtung und leitfadengestützter Interviews. „Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Herausforderungen der teilbetreuten Wohnform im ländlichen Setting auf mehreren Ebenen darstellen. Sie betreffen die Alltags- und Beziehungsorganisation, gesundheitliche Stabilität und Krisenbewältigung sowie die Balance zwischen Selbstständigkeit und unterstützter Wohnform. Ebenso gehören strukturell-organisatorische Rahmenbedingungen sowie teilhabe- und Entwicklungsperspektiven der BewohnerInnen dazu. Alltagsnahe Einblicke verdeutlichten, wie Stabilität, Struktur und soziale Teilhabe für psychisch erkrankte Erwachsene in diesem Wohnprojekt gezielt ermöglicht und gefördert werden können“, erläutert Studienautorin DGKPin Monika Lercher, BScN.
„Die Erkenntnisse stellen die Notwendigkeit einer mehrdimensionalen Weiterentwicklung teilbetreuter Wohnformen, die flexible Unterstützung, kontinuierliche Beziehungsarbeit und koordinierte Versorgungsprozesse und strukturelle Maßnahmen zur Förderung von Teilhabe im ländlichen Raum dar. Was diese Studie auch gezeigt hat und von Forschungsseite untermauert wurde: Die Arbeitsbedingungen in den LPBZ, um die Studie überhaupt durchführen zu können, qualifizieren unsere Einrichtungen als mögliche Forschungsstätte für weitere pflegerische sowie medizinische Themen. Arbeiten wie diese können dazu beitragen, die Expertise in der Pflege und Betreuung unserer BewohnerInnen stets auf einem zeitgemäßen Niveau zu halten und im besten Fall auf ein zukunftsgerichtetes zu heben“, resümiert LPBZ-Geschäftsführerin Priv.-Doz.in Mag.a Dr.in Anna Maria Dieplinger.